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„Religiöse Dimensionen in
Schulkultur und Schulentwicklung“
Internationales Symposion 5.
– 6. Mai 2008
im Rahmen der LehrerInnen – Fort- und Weiterbildung der KPH
in Wien
Ort: KPH Wien, Campus Strebersdorf, 1210 Wien,
Mayerweckstraße 1 |
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Dieses von Dekan Univ. Prof. Dr. Martin Jäggle (UNI Wien)
gemeinsam mit dem evangelischen Religionspädagogen der KPH
Wien Dr. Thomas Krobath vorbereitete und moderierte und von
Rektorin DDr. Ulrike Greiner eröffnete Symposion fand unter
guter Beteiligung der Studierenden und Lehrenden an der KPH
Wien und VertreterInnen kirchlicher und staatlicher
Hochschulen aus Österreich und einiger deutscher Diözesen
statt.
Anspruchsvolle Referate von Religions- und SchulpädagogInnen
und vielfältige und praxisbezogene Workshops (6
pädagogische, 6 religionspädagogische) zeigten die
zunehmende Bedeutung der religiösen Dimension in der
Schulkultur (pädagogischer Anspruch) und Schulentwicklung
(organisatorischer Anspruch) deutlich.
Der an der katholischen UNI Eichstätt tätige
Universitätsprofessor für Schulpädagogik Dr. Wolfgang
Schönig sprach sich mit kritischem Blick auf die
PISA-Studie gegen die zunehmende Ökonomisierung der
Schulbildung aus und bezeichnete die Bildungsstandards, die
nicht mit wirklicher Bildung gleichzusetzen sind, als
„semantische Missgeburt“ von PISA.
Bildung ist nicht als Anhäufung von Wissen anzusehen,
sondern als „synthetisierende Kraft der Gewichtung von
Inhalten“, die an ethische Maßstäbe gebunden und
gleichermaßen auf ein Subjekt wie auf ein Objekt
ausgerichtet sind. Basiskompetenzen und Kulturtechniken sind
noch keine Bildungswerte. Das Geheimnis des am
gesamtgesellschaftlichen Erfolg orientierten finnischen
Bildungssystems liegt nach Schönig an seiner dialogischen
Struktur. Für die Rück-gewinnung der Bildung seien die
Verabschiedung von einseitigen Begabungs-ideologien und
individuellere Schulprogramme notwendig. Folgende Thesen
seien maßgebend:
Bildung ist der Rohstoff der Zukunft:
Ein normativer Bildungsbegriff muss entwickelt werden.
Lernen soll persönlich bedeutsamer, Lernanstrengung als
sinnvoller erachtet werden.
Schulqualität kann nur durch Förderung, nicht durch
Selektion erreicht werden („Vom Wiegen allein wird die
Sau nicht fett!“):
Nationale Bildungsstandards sind nur ein Instrument der
Bildungsentwicklung. Schulen benötigen eine
Qualitätsoffensive und mündige KollegInnen. Statt der
ergebnismäßig diffusen PISA-Studie hätte man die hohen
Geldsummen gewinnbringender in die Beratung der Lehrenden
anlegen können!
Der Religionspädagoge Univ. Prof. Dr. Bernd Schröder
(AB) von der UNI Saarbrücken wies darauf hin, dass
Schulkultur und Schulentwicklung auf dem „Auge Religion
weitgehend blind“ sind. In der Reformpädagogik spiele
allerdings die Religion zunehmend eine Rolle. Die
Religionspädagogik entwickle eine neue Achtsamkeit für den
Vollzug der Religion.
Die Erfahrungsarmut der SchülerInnen mit gelebter Religion
erfordere einen per-formativen, erfahrungsbezogenen
Religionsunterricht (Mögliches Kerncurriculum: „Segnen und
beten“). Damit im Zusammenhang stehen schulpastorale
Über-legungen und ganzheitliche Erfahrungen, die z.B. in
Stilleübungen, Kirchenraum-pädagogik und Projekten wie „Compassion“
bestehen könnten.
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Argumente für Religion in „Schulkultur und Schulentwicklung“:
Bildungstheoretische Begründung: Ganzheitlichkeit der
Bildung
Schülerorientierung: Zuwendung zum Einzelnen
Sozialisationsargument: Staat muss Interesse an
Wertorientierung haben
Theologisches Argument: Weitergabe des Glaubens in allen
Lebensbereichen,
Brücken zu gelebter Religion schlagen
Ekklesiologische Begründung: Kirche ist Kirche für andere
(diakonische Dimension)
Schultheoretische Begründung: Selbstbeschränkung einer
reinen Lernschule
um der SchülerInnen willen, von denen Schule lebt.
Integrationalistisches Argument: Notwendigkeit der
Schulgemeinschaft
LehrerInnenorientierte Begründung: Geistliche Stärkung der
Lehrkräfte.
Zukünftige Herausforderungen:
Den Stellenwert der Religion in Aus- und Fortbildung der
LehrerInnen
verbessern.
Räume für Religion vor Ort schaffen (z.B. Raum der Stille)
Lokale Netzwerke bilden
Integrative Angebote machen
Persönliche Überzeugungen in Schulprogrammen zur Geltung
bringen.
Kirche, Staat und die Religionspädagogen sind dabei
gleichermaßen gefordert.
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Sehr beeindruckend war das Projekt „Friedensschule“ des
Schulzentrums 1150 Wien, Friesgasse, das von Hofrätin Sr.
Dir. Dr. Beatrix Mayerhofer vorgestellt wurde. Das
heute von insgesamt 1500 Kindern und Jugendlichen
(Kindergarten, VS, HS, AHS) besuchte Schulzentrum, das für
SchülerInnen mit 40 verschiedenen Sprachen und 20
Konfessionen zuständig ist, geht auf eine 1860 in der Nähe
des Wiener Westbahnhofs gewährte Stiftung für ein Waisenhaus
der Gräfin Flora Fries zurück. Es steht seit damals unter
der mit einem Erziehungsauftrag betrauten pädagogischen
Verantwortung der Schulschwestern von Notre Dame. Da von der
Gründung her der soziale Ansatz (für arme Kinder) vorgegeben
war, wurde die Religionszugehörigkeit für diese katholische
Erziehungseinrichtung als zweitrangig angesehen. Bei der
Aufnahme der SchülerInnen müssen allerdings die
Erziehungsberechtigten anderer Konfessionen die Förderung
der religiösen Erziehung und Begleitung ihrer Kinder
gewährleisten. So wird auch n.M. Religionsunterricht in den
anderen Bekenntnissen an der Schule angeboten.
Ein Grundprinzip dieses zukunftsweisenden kirchlichen
Privatschulzentrums ist die Völkerverständigung in
Verbindung mit der Friedenserziehung. Der Begriff „Friede“,
in der umfassenden Sinngebung des biblischen „Shalom“,
findet sich – ausformuliert in den 40 Sprachen – im
Schulprofil wieder. |
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Dr. Ludwig Trojan |
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