Bericht über die Veranstaltung „Sprechen mit dem Körper – Gebärdensprache im (Religions-)Unterricht“ zum
„Europäischen Tag der Sprachen“
am 28. September 2009 im Diözesanhaus Klagenfurt
 
 

Am 28. September 2009 fand im Diözesanhaus in Klagenfurt eine Veranstaltung zum „Europäischen Tag der Sprachen“ statt. Es ist dies ein Tag, der jährlich international am 26. September begangen wird und die Bedeutung von Sprache in den Mittelpunkt stellt. Das Thema der diesjährigen Veranstaltung der KPHE Kärnten zum Europäischen Tag der Sprachen war: „Sprechen mit dem Körper – Gebärdensprache im (Religions-) Unterricht

   
 

Die Gebärdensprache ist eine Sprache mit eigener Grammatik und Kultur. Es wird bei ihr zwischen Dialekt- und Schriftsprache unterschieden. Im Jahr 1880 wurde die Gebärdensprache verboten, 1980 rehabilitiert und seit 5 Jahren ist sie eine offiziell anerkannte Sprache.

Günter und Karina Dobner stellten den „Verein Visuelles Hören“ vor. Sein Ziel ist es, gehörlosen Menschen Hilfe in jeder Hinsicht anzubieten. In seinem Vortrag gab Herr Dobner einen Einblick in die Gebärdensprache und das alltägliche Leben von Gehörlosen.

Der „Verein Visuelles Hören“ möchte die Kommunikation unter Gehörlosen forcieren und Kontakt nach außen aufbauen. Ein Frauenkreis organisiert Veran-staltungen zu Frauenthemen. Auch ein Seniorenclub besteht. Weiters werden Kurse für Gebärdensprache angeboten.
Bemerkenswert ist, dass die Gebärdensprache in medizinischer Hinsicht großen Nachholbedarf hat, weil es für medizinische Begriffe nicht ausreichend Gebärden gibt. Auch für Fachbegriffe aus der Arbeitswelt besteht diese Problematik.

   
 

   
 

Es kam auch zur Sprache, dass in der katholischen Kirche Gehörlose unterversorgt sind, da es nur einen Gehörlosenseelsorger für ganz Kärnten gibt. Diese Vernach-lässigung führt bei Gehörlosen zu einem Gefühl zusätzlicher Diskriminierung.
FI Mag. Ivan Olip und Mag. Anton Rosenzopf-Jank, der vom Seelsorgeamt Beauftragte für Behindertenpastoral, werden dieses Anliegen für den diözesanen Bereich im Auge behalten.
Es sollte zumindest in allen größeren Pfarren eine Ansprechperson geben, die Kenntnisse in Gebärdensprache hat und sich der Sorgen und Nöte von Gehörlosen annehmen kann. Es gibt bereits Gespräche in diese Richtung und mögliche Personen, die diese Aufgabe wahrnehmen könnten. Ein erster Schritt ist gesetzt …

   
 

   
 

Erich Pak berichtete in seinem Referat vom „Sonderpädagogischen Zentrum für Hörbeeinträchtigte in Kärnten“. Gehörbeeinträchtigte Kinder werden vom Kindergarten- bis ins Erwachsenenalter begleitet und beraten. Das SPZ wurde vor zehn Jahren gegründet und wird von Georg Berger geleitet. Ihm zur Seite stehen Erich Pak und Mag. Johann Weishaupt. Alle drei arbeiten eng mit gehörlosen Kindern, deren Eltern und LehrerInnen zusammen.

   
 
   
 

Andrea Gmoser, Lehrerin für bilingualen Unterricht in der Gehörlosenklasse der Benediktinerschule ist es ein besonderes Anliegen, dass Gehörlose eine gleich-berechtigte Chance auf Bildung bekommen. Für die Kinder sind gehörlose LehrerInnen in der Ausbildung besonders wichtig, weil sie Vorbilder und Helfer für die nicht einfache Identitätsfindung sind. Frau Gmoser betonte, dass es für sie sehr wichtig ist, gehörlosen Kindern Zukunft zu geben, dadurch dass sie eine gute Grundausbildung bekommen. Im Unterricht wird mit viel Anschauungsmaterial und Farben gearbeitet, damit die Kinder einerseits Gebärden lernen, andererseits die Schriftsprache.

Frau Rektorin Mag.ª Lieselotte Wolf sieht einen wichtigen Beitrag der KPHE Kärnten zur Verbesserung der allgemeinen Situation der Gehörlosen im spirituellen Bereich darin, dass ReligionsleherInnen in der Aus-, Fort- und Weiterbildung für deren schwierige Situation sensibilisiert werden.

Es bleibt die Hoffnung, dass das Bedürfnis Gehörloser nach religiösen Erfahrungen in der katholischen Kirche immer stärker berücksichtigt wird, indem Gottesdienst-texte, Gebete und Predigten in ihre Sprache übersetzt werden und Kontaktpersonen vorhanden sind.

   
 
   
 

Die Begegnungen mit den Gehörlosen und das Kennenlernen ihrer Sprache war eine wunderbare Erfahrung. Frau Karina Dobner und Frau Margret Pinter haben durch ihre Übersetzungen der Vorträge in Gebärdensprache und Lautsprache zu einem ausgezeichneten Verständnis zwischen Hörenden und Gehörlosen beige-tragen.