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Gott als Liebender, der unserer Liebe bedarf!
Herbsttagung der ReligionslehrerInnen an AHS/BMHS in Kärnten
am 4. und 5. November 2010 in St. Georgen am Längsee
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Sorge um die Zukunft des
Religionsunterrichts
Die traditionelle Herbsttagung der ReligionslehrerInnen an
allgemein- und berufs-bildenden mittleren und höheren
Schulen in Kärnten hat als Großveranstaltung im Bildungshaus
St. Georgen am Längsee immer einen besonderen Bildungs- und
Gemeinschaftswert. Diesmal fand sie am 4./5. November 2010
statt. |
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Nachdem Abendreferent Mag. Lambert Jaschke
über die Weltanschauungs-gruppen in Kärnten und den
besorg-niserregenden Anstieg vor allem der freikirchlichen
Gemeinschaften mit ihren verschiedenen Untergruppen
berichtet hatte, fand nach dem Abendessen die von Mag.
Martin Kumer geleitete Generalversammlung der Arbeits- und
Berufsgemeinschaft statt.
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In einer sehr dichten und offenen
Diskussion, an der auch FI Hofrat Mag. Boschitz
teilnahm, wurde angesichts des Geburtenrückgangs, der
abnehmenden Reputation der Kirche, die auch dadurch zum
Ausdruck kommt, dass immer weniger junge Eltern ihre Kinder
taufen lassen, sowie der Abmeldemöglichkeit vom Pflichtfach
Religion und des Kon-kurrenzfaches Ethik von den KollegInnen
die Sorge um die Zukunft des RU und damit ihres Berufes zum
Ausdruck gebracht.
Der Wunsch nach mehr Rückenstärkung und öffentlichem
Engagement durch die Bischöfe und kirchlichen
Verantwortungs-träger wurde artikuliert. |
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Mag. Martin Kumer |
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ReligionslehrerInnen sichern Kirchenbindung |
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Nach dem feierlichen Morgenlob am 5.
November erfolgte die Begrüßung und Eröffnung durch Dr.
Ludwig Trojan, der im Kontext des Jahresthemas der KPHE „berufung.leben“
seine eigene Berufung zum Ständigen Diakon erwähnte und auf
die Berufung zur Religions-lehrerin/zum Religionslehrer
hinwies.
Dann folgten die Grußworte durch Rektor Dr. Franjo Vidović,
FI Hofrat Mag. Anton Boschitz und ARGE-Leiter Mag. Martin
Kumer.
Anschließend wurde von Kollegin Mag.a Anja Six
das Projekt „Young Caritas“ und von Dr. Peter Deibler das
nachhaltige Projekt „Schülerradio“ vorgestellt.
Danach richtete Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz sein
Grußwort an die versammelten ReligionslehrerInnen.
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FI Hofrat Mag. Anton Boschitz
Rektor Dr. Franjo Vidović |
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Bischof Dr. Alois Schwarz |
Bischof Dr. Alois Schwarz dankte den
ReligionsprofessorInnen für ihren oft aufreibenden Dienst
und wies darauf hin, dass durch sie die Kirchenbindung
junger Menschen gesichert werde. Sorge mache ihm das
„Event-Christentum“ in Kärnten und dass die Verbindlichkeit
des kirch-lichen Lebens immer mehr abnimmt.
Die Situation solle so gestaltet werden, dass neue Anfänge
möglich sind. Die Frage müsse lauten: „Wie kommen wir in
lebensfördernde Gespräche mit jungen Menschen?“ Dazu sollen
auch die mit 10 Themen verbundenen „Lebensdialoge“ in der
Diözese beitragen.
Konfliktfelder sollen angegangen, Vorbe-halte und
Missverständnisse beachtet und vertrauensbildende Maßnahmen
gesetzt werden. Insgesamt sprach sich Bischof Schwarz für
einen guten und offenen Dialog aus. |
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Schönheit – Eros – Glück
Der langjährige Leiter der Rabanus Maurus–Akademie in
Frankfurt am Main und ehemalige Ordinariatsrat für Kirche,
Kultur und Wissenschaft des Bistums Limburg Dr. Gotthard
Fuchs wählte als Hauptreferent dieses Thema für unsere
Herbsttagung, um auch im Kontext der bedauerlichen
Vorkommnisse kirchlichen Kindesmissbrauchs die Bedeutung von
Sexualität und Leiberfahrung für Christinnen und Christen zu
reflektieren. |
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In drei theologisch und spirituell
anspruchsvollen Referaten und unter Bezugnahme auf die
Zeugnisse von MystikerInnen und Dichtern gelang es dem
Referenten, neue Zugänge zur Bedeutung der Leiblichkeit zu
schaffen und damit ehemaligen Zentralbegriffen christlichen
Glaubens wie „Glück(seligkeit)“, „Eros“ und „Schönheit“
wieder einen höheren Stellenwert zu geben.
Mit den Worten des deutschen Philosophen Peter Sloterdijk
eröffnete Fuchs seine Ausführungen: „Wir leben im ersten
heidnischen Jahrhundert nach Christus. Was würde der
Menschheit fehlen, wenn es das Evangelium nicht gäbe?“
Von der Bibel her gewinnt unser Leben Maß und Ausrichtung.
Das Hohe Lied der Liebe, das in den Sonntagslesungen der
Liturgie nicht vorkommt, gibt eine andere Einstellung zur –
auch leibbezogenen – Liebe vor als Worte des im Morgenlob
rezitierten Psalms 51: „…in Sünde hat mich meine Mutter
empfangen.“
Gott als Grund der Schönheit
Dr. Fuchs plädierte für einen „Sinn für die Fülle“ und die
Ausrichtung nach dem „einzig Notwendigen“. Nach Simone Weil
liegen die Knotenpunkte mystischer Erfahrung in den
Erfahrungen von Schönheit und Unglück. Denn da bin ich außer
und zugleich ganz bei mir. Nach Christian Morgenstern ist
alles Schönheit, das man in Liebe betrachtet. So kann auch
das hässlich Erscheinende, auch ein geschundener Körper wie
der unseres Erlösers am Kreuz als schön bezeichnet werden.
„Das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir
gerade noch ertragen.“ (R. M. Rilke: Duineser Elegien).
In der Ästhetisierung der Lebenswelt geht es über den
Schönheitskult hinaus um eine Stimmigkeit des Lebens, daher
auch um Spiritualität.
Das im Schöpfungsbericht übersetzte hebräische Wort „tob“
bedeutet nicht nur „gut“, sondern auch „schön.“ Alles, was
Gott geschaffen hat, ist daher sowohl gut als auch schön.
Der Mystiker Johannes vom Kreuz stellt die Schönheit in den
Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Das biblisch-liturgische
und patriarchalisch gefärbte Zentralwort der „Herrlichkeit“
Gottes meint vom hebräischen „kabod“ (Schwere, Gewicht) die
ganze Wucht seiner Erscheinung.
Im Wort „Gnade“ (von hebr. „hesed“, griech. „charis“ ) tritt
uns Gottes Charme entgegen.
„Die Gewissheit, das Schöne zu finden in allem, was lebt,
nennen wir seit alters her Gott.“ (Dorothe Sölle).
Die Stellung der Sinnfrage, die in vielen Religionsbüchern
existentielle Glaubensbezüge eröffnen soll, sei nach Fuchs
problematisch, weil in Bezug auf eine mögliche Antwort
irreführend. „Was Menschen Sinn nennen, nennen wir
Verheißung“ (Dietrich Bonhoeffer). Glaube erklärt nicht,
sondern lädt ein.
Gott ist Eros!
Gott als die vergessene Mitte christlicher Mystik und
glückseligen Lebens ist „Eros“. Er ist selbst begehrende, ja
leidenschaftliche Liebe. Dafür kann darum auch die
geschlechtliche Liebe von Mann und Frau ein Symbol sein.
„Niemals hat ein Mensch sosehr etwas begehrt wie Gott
begehrt, beim Menschen zu sein.“ (Meister Eckehart).
Gott als Liebender will der menschlichen Liebe bedürftig
sein. Wir leben in einer spannenden und zugleich
schmerzlichen Zeit der Kirche, in der es zu entdecken gilt,
dass Gott des Menschen bedarf!
Die Frage nach der Liebe sollte nicht nur in der Moral,
sondern auch in der Dogmatik angesiedelt sein. In Christus
hat sich Gott mit jedem Menschen vereinigt.
Die hl. Mechthild von Magdeburg (1207-1282) hat das Drama
der Beziehung zwischen Gott und Mensch zur Sprache gebracht.
Nur wer sowohl die Höhe als auch die enttäuschende Tiefe der
Gottesbeziehung erfahren hat, ist ihrer Meinung nach im
Glauben erwachsen geworden.
Die Sprache der Gottesliebe und der geschlechtlichen Liebe
sind zutiefst aufeinander angewiesen. So formulierte
Mechthild in einem ihrer Gebete:
„Du gießender Gott in deiner Gabe!
Du fließender Gott in deiner Minne!
Du brennender Gott in deiner Sehnsucht!
Du verschmelzender Gott in der Einung mit deinem Lieb!
Du ruhender Gott an meinen Brüsten!
Ohne dich kann ich nicht mehr sein!“
Die Bewährung und Bewahrheitung der Gottesliebe geschieht
allerdings nicht im geistlichem Zwiegespräch, sondern in der
Trivialität des Alltags.
„Ob jemand durch das Feuer der Liebe gegangen ist, erkennt
man nicht daran, wie er von Gott, sondern von den Dingen
dieser Welt spricht“. (Simone Weil).
Ebenso wie die nordfranzösich-flämische Mystikerin und
„Minnesängerin Gottes“ Marguerete Porete, die als eine
geistliche Schwester Meister Eckharts am 1. Juni 1310 in
Paris als Ketzerin verbrannt wurde und in ihrem „Spiegel der
einfachen Seele“ die Auseinandersetzung zwischen Liebe und
Vernunft dargelegt hat, sind wir als Christinnen und
Christen aufgerufen, unseren Glauben mittels, dank und
manchmal auch trotz unserer Kirche zu leben.
Bericht und Fotos: Ludwig Trojan |
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>>> Skriptum: "Sexualität und
Kirche"
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