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„Ist Glaube ein religiöses Phänomen?“
Herbsttagung der ReligionslehrerInnen an APS
im Bildungshaus St. Georgen/Längsee am 8. September 2011
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Unter dem Jahresthema des Studienjahres
2011/12 der KPHE „mensch.werden“ fand am 8. September 2011
die traditionelle Herbsttagung der Religionslehrerinnen an
allgemeinbildenden Pflichtschulen im vollbesetzten Festsaal
des Bildungshauses St. Georgen am Längsee statt.
Nach der spirituellen Einstimmung durch den geistlichen
Assistenten Dechant. Johannes Pichler, der die
Religionslehrkräfte ermunterte, sich nach dem Beispiel Jesu
von den SchülerInnen anrühren und auch stören zu lassen,
wies SAL Dr. Birgit Leitner in ihrem Grußwort auf das
pastorale Anliegen unseres hwst. Bischofs hin „Mit Gott den
Menschen nahe zu sein“ und ermunterte zugleich zu einem
authentischen Lebenszeugnis. Als FachinspektorInnen neu
bestellt wurden Mag. Maria Perne für den zweisprachigen
Religionsunterricht und Dipl. Päd. Michaela Felfernig in
Vertretung von FI Andrea Kerschbaumer.
Rektor Dr. Franjo Vidović stellte nach seinem Grußwort den
Referenten der Tagung vor: Univ. Prof. Dr. Hans-Ferdinand
Angel, Professor für Religionspädagogik und Dekan an der
Katholisch-Theologischen Fakultät UNI Graz . |
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Creditionen: Prozesse des Glaubens
Bei seinem im Kontext neurowissenschaftlicher Erkenntnisse
und Begriffe erarbeiteten Thema „Glauben-Können als Kern
von Persönlichkeit“ erläuterte Prof. Angel in drei
Referaten den Begriff der „Creditionen“ als „Weg zu
einer anthropologisch konzipierten Glaubens-Theorie“ und
machte den Unterschied zwischen Religion und Religiosität
deutlich. Religiöse Anlagen und Einstellungen eines Kindes
seien nicht ident mit dessen Zugehörigkeit zu einer
bestimmten Religion. Glaube könne nicht wie in einem
Päckchen übermittelt werden, daher sei es irreführend, von
einer „Weitergabe des Glaubens“ zu sprechen.
Die Frage: „Ist Glaube ein religiöses Phänomen?“ sei mit „Ja
und nein!“ zu beantworten. Glaube ist zweifellos Bestandteil
von religiöser Kultur. Doch wir glauben Vieles, bisweilen
ganz Unsinniges. Glaube kann den Kern unserer Persönlichkeit
berühren, uns stabilisieren und erschüttern. Betrachtet man
den Glauben in seiner Prozess-Gestalt, wird er als
Credition bezeichnet. Als Creditionen stehen
Glaubensprozesse neben Emotionen und Kognitionen,
sie gehören zu den komplexesten menschlichen Aktivitäten und
Fähigkeiten.
Mit den Begriffen „Bab“ (Sichtweise, Annahme..) und „Plop“ (Leerraum,Leerlauf..)
werden diese Prozesse, die konfiguriert in Erscheinung
treten, beschrieben.
Die Aussage „Ich glaube“ setzt eine Reihe von Babs voraus,
die miteinander verbunden und umschlossen sind.
Glaubensprozesse stellen Babkonfigurationen her und daher
muss geprüft werden, ob ein weiterer Bab hineingehört oder
nicht. Warum glauben wir etwas oder auch nicht? Ein „Mega-Bab“
ist etwas, was zutiefst unsere Konfiguration bestimmt und
eine große Erschütterung hervorruft, wenn sich Überzeugung
als unwahr herausstellt. „Ich glaube an Gott“ ist ein
Mega-Bab.
Vier maßgebende Kernbegriffe bestimmen die Creditionen:
1. Enclosure: Erschließung, Wahrnehmung,Bewertung.
2. Converter: Handeln, Entscheidung
3. Stabilisator: Haltung, Einstellung.
4. Modulator: Individueller Prozess (Stärken,
Schwächen..)
Creditionen haben zwei Kernfunktionen:
1. Enclosure – Funktion. Es gibt Prozess des Umschließens und
das,
was umschlossen wird.
2. Converter – Funtion: beschreibt die Beziehung zweischen „Enclosure“
und Handeln. Sie dient der Herstellung eines „präfigurierten
Handlungsraums“. Eine bestimmte Babkonfiguration lässt
bestimmte Handlungsräume zu, andere nicht. Die Kirche war
oft vorschnell der Auffassung, das bestimmte Konfigurationen
entsprechende Handlungen evozieren. Eine dogmatische
Einsicht muss noch nicht zu einer bestimmten ethisch
relevanten Handlung führen. |
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Interdisziplinäres Forschungsprojekt:
In Rahmen eines mehrjährigen internationalen und
interdisziplinären Forschungsprojekts zum Thema
„Religiosität“ (2000 – 2005), an dem Prof. Angel beteiligt
ist, wurde der Creditionen-Begriff erstmals publiziert. Auch
wenn die Erforschung von Creditionen eben erst begonnen hat,
gehören sie mittlerweile zu den besonders faszinierenden
Forschungsbereichen im Schnittfeld von Neurowissenschaft,
Kognitionswissenschaft, Philosophie, Psychologie,
Religionspsychologie und Theologie. Ein besseres Verständnis
des Prozesscharakters von Glauben kann auch für pastorales
und religionspädagogisches Handeln neue Perspektiven
bringen.
Beim abschließenden Bischofsgottesdienst ermunterte Bischof
Dr. Alois Schwarz die ReligionslehrerInnen, „mit Christus
den SchülerInnen nahe zu sein“, damit diese eine Erfahrung
der Herrlichkeit Gottes machen können, die in
ReligionslehrerInnen aufleuchtet. Bezugnehmend auf das
Evangelium vom Stammbaum Jesu (Mt 1,1-16) machte er die
Zusage, dass Gott in der Geschichte durchgehaltener Treue,
die von starken Frauen und Männern geprägt ist, uns nahe
ist. |
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Recht beeindruckend umrahmt wurde diese
Herbsttagung auch heuer wieder vom ReligionslehrerInnenchor
unter der Leitung von Mag. Waltraud Leopold.
Ludwig Trojan |
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