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Beziehungen gestalten und leben

Studienhalbtag der Katechetenkreise Althofen, Feldkirchen und St. Veit   mit der Psychotherapeutin Roswitha Sandner
am 15. November 2011 im Pfarrzentrum St. Veit
 
 
 

Psychotherapeutin Roswitha Sandner „hilft“ Beziehungen zu gestalten

 

 

 

Frau Roswitha Sandner öffnete mit ihrem Vortrag ein Fenster in die Welt der Hintergründe von Beziehungsabläufen. Religionslehrerinnen und Religionslehrer machen täglich die schmerzvolle Erfahrung, dass ihr Bemühen um positive Begegnungen im Religionsunterricht und im Schulalltag nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Um erfolgreich im Gestalten von Beziehungen zu sein, ist das Wissen über die Dynamik von Beziehungsgeflechten entscheidend. Häufig sind Anknüpfungspunkte für Kinder und Erwachsene verloren gegangen, was das Zusammenleben in der Schule nicht gerade einfacher macht.

Beim Gestalten von Beziehungen kann man sich auch einmal verheddern

Eine entscheidende Frage ist, wie wir Beziehungsfähigkeit lernen. Es geht dabei nicht nur um die Beziehungen zu anderen, sondern auch um die Beziehung zu sich selbst und den Umgang mit sich selbst. Wie sehe ich mich selbst, wie sehe ich die Welt um mich?
Bereits im Mutterleib entwickeln wir in einem Milieu der Geborgenheit eine Beziehung zu uns selbst. Durch die Geburt kommen wir in eine Welt, die kalt und hell ist und auch Angst einflößt. Es entstehen lustvolle und negative Gefühle, die durch Zufriedenheit bzw. durch Schreien artikuliert werden. Je nachdem wie die Gefühle befriedigt werden, entsteht Gut und Böse in der Beurteilungsskala. Werden Kinder nicht erhört, entwickeln sie Misstrauen und Ablehnung. Kinder mit solchen Erfahrungen sind häufig unruhig, auch aggressiv im Verhalten. Passen sie sich an, bekommen sie die ersehnte Anerkennung, lernen aber nicht, ihre Bedürfnisse zu äußern. Trennen sich Eltern, beginnt für Kinder eine schmerzvolle Zeit, denn der Verlust von Beziehung ist für Kinder wie der Tod.
Stehen Kinder und Lehrkräfte einander gegenüber, prallen Welten unterschied-lichster Prägung aufeinander, denn auch Erwachsene erleben die Welt brüchig und unsicher. So ist es wichtig, die eigenen Schattenseiten zu akzeptieren und Wertschätzung zu kultivieren. Das ist der Weg Beziehungen auch im schulischen Umfeld aufzubauen und zu gestalten.

   
 

Beziehungen gestalten macht Spaß!

   
 

Lehrerinnen und Lehrer sollten immer wieder der Frage nachgehen, wie ihre Beziehung zu sich selbst und zu den Kindern und Kolleginnen und Kollegen aussieht. Wie gehen wir aufeinander zu, wo sind unser Misstrauen und unser Vertrauen? Warum gelingen Beziehungen nicht oder nur schwierig? Diese Entwicklung ist selbstverständlich keine Einbahnstraße, sondern immer auch ein Ergebnis schulischer Strukturen, die nur im Team mit allen erkannt und verändert werden können.
In einer exemplarischen Übung leitete Frau Sandner dazu an, sich auf sich selbst zu konzentrieren, dann aufeinander zuzugehen und schließlich Aufmerksamkeit zu geben und zu nehmen. Mit Bändern wurde dieser Schritt lustvoll sichtbar gemacht.

In Anlehnung an die Psychotherapeutin und Theologin DDr. Monika Renz sprach Frau Roswitha Sandner über die Beziehung am Ende des Lebensweges.
Wenn Menschen schwer krank werden und sich ihr Leben dem Ende zuneigt, ist es bedeutend zu fühlen und zu hoffen, dass das ICH in ein DU stirbt. Niemals tiefer als in die Hand Gottes können wir fallen. ER fängt uns auf und wir sterben in eine Beziehung hinein.
Gestärkt in der Beziehung zueinander und zu uns selbst gingen wir nach Hause, aber nicht ohne uns vorher einander Dankbarkeit und Begeisterung über die gemeinsam verbrachten Stunden zugesagt zu haben.
 
Geglückte Beziehung zu sich selbst
 


Text und Fotos: Mag.ª Juliane Ogris